1. Bald pensioniert…?

Irgendwann kommt er für uns alle! Der Tag, an welchem die ordentliche Erwerbstätigkeit zu Ende geht. Egal, ob als einfacher Arbeitnehmer oder als Führungskraft!

In der Schweiz werden die Frauen im Alter von 64 und die Männer mit 65 pensioniert. Zwar bieten einige Unternehmungen eine flexible Pensionierung mit Ausdehnung bis zum Alter 70 an, was aber bei weitem noch nicht die Regel ist. Das Rentenalter beginnt. Die AHV und, falls vorhanden, die Pensionskasse zahlen ab diesem Moment eine lebenslange Rente aus, die dazu dienen soll, den finanziellen Alltag zu bewältigen. In den meisten Fällen reicht dieser Betrag aus, um etwa zwei Drittel des bisherigen Lebensunterhaltes zu decken. Mit der dritten Säule (dem freiwillig Gesparten) muss der Rest der finanziellen Bedürfnisse gedeckt werden.

Einige können es sich leisten, ein paar Jahre vor der “staatlich verordneten Inkompetenz” in den Ruhestand zu gehen. Egal wann dieser Moment eintritt, es bleibt bei allen Betroffenen die Spannung, wie wird es wohl nach dem ersten “Aufatmen* (die erste grosse Abenteuerreise, abarbeiten der längst fälligen Pendenzen, Besuche bei ewig vernachlässigten Freunden etc.) sein wird. In dieser neuen, vielleicht ungewohnten Selbstständigkeit gibt es mehr Aspekte zu beachten, als alleine die finanzielle (rationale) Seite des Menschseins.

Da wären z.B.

  • Die gesellschaftliche Einbindung (Sozialität) – wer bietet mir Gesellschaft, wenn ich keine Arbeitskollegen mehr habe?
  • Die emotionalen Bedürfnisse (Emotionalität) – was wird mich emotional berühren, wenn ich keine Alltagsüberraschungen mehr erlebe?
  • Die körperliche Gesundheit/Fitness (Physis) – wie behalte ich einen Rhythmus, der mich auch ab und zu in körperliche Spannung bringt?
  • Die Zuversicht, dass sich das Leben weiterhin positiv entwickelt (Spiritualität) – wie stelle ich sicher, dass ich weiterhin Ziele anstreben kann?

In unzähligen Gesprächen mit Menschen, die kurz vor oder nach der Pensionierung sind, kam klar heraus, dass die Pensionierung für sie vor allem ein formeller und nicht ein inhaltlicher Endpunkt darstellt. Die meisten möchten weiterhin aktiv bleiben und in der Gesellschaft einen Platz behalten, der dem Bisherigen nahe kommt.

Mit dieser Absicht öffnet sich jedoch eine Phase, wo niemand der Betroffenen bisher eigene Erfahrungen gemacht hat – wie sollte er auch? Er war ja bisher noch nicht pensioniert!

Plötzlich wird es Realität!

“Ich kann tun und lassen, was ich will” – aber was will ich?? 40 Jahre und mehr habe ich mich als Angestellter in den Dienst meiner Arbeitgeber gestellt, Aufträge entgegengenommen und diese mit Herzblut erledigt – plötzlich gibt mir niemand mehr Aufträge! Wie gehe ich damit um? Am einfachsten wäre es doch, wenn ich weiterarbeiten könnte – wenn auch nur noch in einem Teilpensum!

Viele werden damit konfrontiert, dass sie sich nicht mehr einfach für eine neue Stelle bewerben können, da die wenigsten Firmen Pensionierte anstellen. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass viele Unternehmen noch nicht gemerkt haben, dass ein riesiges Potenzial an Erfahrung, Wissen, Freiwilligkeit und Seniorität in dieser Bevölkerungsgruppe steckt, welches spätestens dann wichtig wird, wenn die demografische Entwicklung dafür sorgt, dass zu wenig junge Fachkräfte zur Verfügung stehen, um das nötige Bruttosozialprodukt zu bewerkstelligen.

Mit meinem Projekt – “Temporäreinsätze für Pensionierte” will ich dieser Entwicklung entgegensteuern und einen Pool für Arbeitskräfte aus allen Branchen und Hierarchiestufen aufbauen, die ihre Qualitäten weiterhin der Gesellschaft zur Verfügung stellen wollen. Professionell, individuell und entlang des eigenen Persönlichkeitsprofils.

Herznach, im Oktober 2014